Every

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The Circle hat einen großen Konkurrenten, dessen Name an einen Fluss in Amerika erinnert, aufgekauft und Mae Holland ist inzwischen Vorstandsvorsitzende geworden. So setzt Dave Eggers in Every seine Geschichte von The Circle fort, dem inzwischen verfilmten Buch, das 2013 für Furore sorgte, weil Eggers darin dystopisch beschrieb, wie ein Konzern, der eine Mischung aus Facebook und Google darstellte, es schafft, dass seine User bereitwillig alles von sich preisgeben, ohne zu realisieren, was das mit ihnen und der Gesellschaft macht,

Seitdem sind ein paar Jahre vergangen und man kann gut sehen, dass Dave Eggers mit seiner Einschätzung von dem Verlust der Privatsphäre nicht weit von der Realität entfernt lag. In der Fortsetzung steht nun die Auswirkung des KI-Einsatzes im Mittelpunkt. Menschliche Entscheidungen sind subjektiv und damit per se unfair, so das Credo von Every. Wäre es nicht besser, Algorithmen würden Entscheidung treffen?

Das fände Delaney, die Protagonistin in Every fatal. Sie fühlt sich den Trogs zugehörig, jener kleinen verbliebenen Minderheit, die sich den technischen „Errungenschaften“ des Konzerns verweigern. Zusammen mit ihrem Mitbewohner Wes beschließt sie, dass man gegen Every etwas unternehmen muss. Ihr Plan ist, sich in das Unternehmen einzuschmuggeln und es von innen heraus zu zerstören.

Bald muss sie jedoch erkennen, dass alles, was sie unternimmt, um dem Konzern zu schaden, in sein Gegenteil umschlägt. Every ist so mächtig, weil die Menschen zufrieden damit sind, von den KI-getriebenen Anwendungen von Every gesagt zu bekommen, was sie zu tun haben. Die Technologie, die Maschinen, übernehmen die Macht über die Menschen.

Eggers beschreibt diesen Prozess sehr nachvollziehbar und ist immer nah an der Realität. Wird man das Buch in einigen Jahren in die Hand nehmen, so kann es gut sein, dass Dinge, die heute als erfunden gelesen werden, tatsächlich existieren. Das ist sicher die Stärke von Eggers und seinem Roman Every. Aber das Buch bleibt auch auf dieser beschreibenden Oberfläche. Welche Interessen hinter dieser Entwicklung liegen, ist nicht Thema. Insofern ist Every von Dave Eggers ein gut zu lesendes Buch zum Gruseln, aber eine Erkenntnis, wie die Zukunft gestaltet werden soll, kann man nicht erwarten.